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Einblasdämmung #1

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Bei einem gut 150 Jahre alten Einfamilienhaus sind die Heizkstosten eigentlich immer zu hoch. :-)
Warum sollte das hier anders sein? Auf der Suche nach Lösungen kommt man fast automatisch zum Thema "Einblasdämmung".

Bei diesem Verfahren werden lose Dämmstoffe (Zellulose-, Glaswolle-, Steinwolleflocken oder aber auch Kügelchen aus diversen Kunststoffen oder Mineralien) in die Hohlräume geblasen. Die Dämmstärke entspricht der Hohlraumdicke. Gleichzeitig wird das Haus dabei noch etwas winddichter, was den Energiehunger noch ein wenig mindert. Das Gewicht der Dämmung ist vernachlässigbar.

Nachdem wir anno 2002 diverse Angebote eingeholt hatten, wurde uns schnell klar, dass
A) der Preis so unangemessen hoch war, dass die Jungs mit Stundenlöhnen um die 100 EUR (netto) kalkulieren
und
B) sich die Sache niemals innerhalb eines vertretbaren Zeitraums rechnen würde.

Gestorben war die Angelegenheit damit natürlich nicht. :-)

Als Jäger, Sammler und Tüftler wurde das der Einblasdämmung zugrundeliegende Verfahren erkundet und sogleich als äußerst primitiv entlarvt.

Was wird benötigt?

  • ....ein Gebläse mit ausreichend Leistung und recht grobem Lüfterrad;
  • ....ein Rohrsystem zum Überbrücken der Entfernung zwischen Gebläse und Hohlraum;
  • ...ein flexibles Rohrsystem mit einer Einstichlanze zum Eindringen in die Hohlräume;

Das Gebläse (1,5 kW Radialgebläse) wurde in unverwüstlicher Ausführung für sehr kleines Geld bei einem Internet-Auktionshaus ersteigert.
Als Rohrsystem bot sich 70er-HT-Abwasserrohr an. Die Praxis zeigte später, dass man die Dichtungen (O-Ringe) entfernen sollte, um die Rohre später wieder demontieren zu können.
Für die ersten und letzten Meter des Rohrsystems kam flexibler PVC-Schlauch mit Drahtspirale (aus dem Lüftungsbau) zum Einsatz. Das war dann auch gleich der teuerste Teil der ganzen Apparatur. :-(

Anno 2002 gab es weder diese Homepage noch eine Digitalkamera. Jetzt wurde die Apparatur für einen Freund wieder aus dem Lager geholt. Bei dieser Gelegenheit entstanden die Fotos.

Hier ein Foto vom Gebläse:
Durch den etwas dickeren Schlauch links wird das Dämmmaterial angesogen.Der Schlauch an der unteren Bildmitte geht in Richtung Einblaslanze.Einblasdaemmung

 

Hier noch ein Blick von der Seite auf das Gebläse:
Einblasdaemmung

 

Hier noch ein Foto vom betriebsbereitem Gebläse inkl. Schläuche:
Einblasdaemmung

 

Hier folgt ein Foto der Einstichlanze:
Sie besteht aus 50er-HT-Rohr und ist 2 x 2 m (= 4 m) lang. Die Muffe an der Verbindungsstelle zwischen den beiden Rohren wurde etwas gekürzt (= die dickste Stelle mit dem Dichtring entfernt).Einblasdaemmung

Auf dem Foto kann man auch schön sehen, wie wir den Holzdielenboden geöffnet hatten. Leider befand sich im Hohlraum eine "Zwischendecke". Diese wurde damals zum Schallschutz eingebaut und mit den beim Bau übrig gebliebenen Mörtelresten und Steinen beschwert. Das erleichterte die Einbringung des Dämmung natürlich nicht. Wir mussten die Lanze oberhalb und unterhalb der Trennschicht in den Hohlraum einführen. Doppelte Arbeit bei gleichzeitig engeren Platzverhältnissen..... :-(

 

Auf dem folgenden Foto sieht man die drei Hohlräume zwischen vier Balken. Der mittlere Hohlraum konnte über eine etwa drei Meter entfernte Stelle gefüllt werden. bei den beiden äußeren Hohlräumen war dies aufgrund von Querbalken nicht möglich. Hier mussten zusätzliche Zugänge geschaffen werden.
Sehr schön kann man den vollständig verfüllten mittleren Bereich sehen. So gut bekommt man das mit Klemmfilz nicht hin.
Einblasdaemmung

Weiter oben hatten wir den Holzboden noch auf einer Breite von 1,5 m aufgenommen. Es zeigte sich jedoch, dass etwa 60 cm für das Einbringen der Lanze ausreichen. Man lernt nie aus.....

 

Hier sieht man wie das gepresste Dämmmaterial (in diesem Fall Zellulose = gehäckseltes Altpapier) in das Gebläse eingesogen wird. Dazu muss das Zeug per Hand (oder Mistforke) in "gebläsegerechte" Stücke vorzerkleinert werden. Immer wenn ein Klumpen im Gebläse angekommen ist, wird der nächste nachgeschoben. Das verhindert Verstopfungen.Einblasdaemmung

Da der Dachboden recht klein ist, kamen wir ohne die Verlängerungen aus 70er-HT-Rohren aus. Es fehlt somit auf den Fotos. Entfernungen von gut 40 m bei 6 und mehr Höhenmetern sind kein größeres Problem. Damals (anno 2002) hatten wir anstelle von Zellulose noch Steinwolle verwendet. Auch dies bereitete keine Probleme.

Die Dämmung der etwa 150 m² Dachbodenfläche verbrauchte Dämmmaterial für etwa 150 EUR sowie neue Holzdielen und Schrauben für etwa 135 EUR. Die Aktion dauerte zwei Tage; einer für´s Vorbereiten und Dämmen und ein zweiter für´s Schließen der Löcher und Saubermachen. :-)
Besonders knauserige Zeitgenossen können natürlich die alten Holzdielen wieder verwenden und so noch ein paar Euros sparen. Uns war das zu aufwändig. Zudem mussten ein paar der holzwurmgeschwächten Dielen beim Entfernen doch "etwas" leiden.

Verbesserungsvorschlag:
Die Einstichlanze sollte flexibler sein, um sie bei beengten Verhältnissen einfacher in die Hohlräume einführen zu können. Optimal wäre eine Art Feder, die sich selbsttätig immer wieder gerade macht.
Saugschläuche für Pumpen sind vom Material her sehr gut geeignet, versuchen jedoch immer wieder einen Ring zu bilden. Als Stangenware (nicht: Ringware) wäre das Zeug ideal. Wer hat Tipps?

Fazit:
Ich würde es wieder so machen.
Die Arbeit geht schnell von der Hand und das Ergebnis ist hervorragend. Selbst komplizierte und "unerreichbare" Hohlräume stellen kein Problem dar.
Auch im Neubau bietet sich eine solche Art der Dämmung für die Dachschrägen und Geschossdecke an.